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Was ist Voluntourismus?

 Seit einigen Jahren erfreuen sich Kurzzeitfreiwilligeneinsätze, auch Voluntourismus, Volunteerreisen oder Freiwilligenurlaub genannt, vor allem unter Abiturienten wachsender Beliebtheit. Voluntourismus ist eine Reiseform, die einen Mittelstellung zwischen Urlaubsreise und Freiwilligendienst einnimmt. Ganz nach dem Motto "Nach dem Abi was erleben und was Gutes tun" oder "Nach dem Abi mal kurz ins Ausland - um zu helfen".

Möglich sind diese Freiwilligeneinsätze unter anderem in afrikanischen Ländern, im Schnelldurchlauf bereits ab einer Woche. Urlaub machen und nebenher etwas Gutes tun – klingt erst mal gut. Doch gut gemeint ist lange noch nicht gut gemacht.

Gegen den Punkt, nach dem Abitur Zeit im Ausland zu verbringen, ist nichts einzuwenden. Reisen ist sinnvoll und wichtig, denn Reisen bildet und erweitert den Horizont. Vor allem dann, wenn es sich um eine Reise mit Blick hinter die Kulissen handelt. Jeder, der für eine gewisse Zeit im Ausland war, kommt mit intensiven Eindrücken und vermutlich auch einem veränderten Blick zurück. Wer selbst gesehen hat, wie der Alltag in einem südafrikanischen Township aussieht oder welche Ansätze es gibt, ugandischen Straßenkindern durch HipHop eine Alternative zum Leben auf der Straße zu ermöglichen, der verändert seinen Blick und bekommt Denkanstöße, die für die eigene Entwicklung wichtig und wertvoll sind. Aus diesen Denkanstößen und Eindrücken können Ideen entstehen, die nach der Rückkehr der Freiwilligen (nach Deutschland) ihre Wirkungen entfalten können.

Dennoch darf die bereichernde Auslandserfahrung nicht zu Kosten von den Menschen vor Ort gemacht werden. Der Boom des Voluntourismus bzw. der kurzzeitigen Freiwilligeneinsätzen muss kritisch betrachtet werden. "Brot für die Welt - Tourism Watch" hat gemeinsam mit "ECPAT Deutschland e.V." und dem "Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung" erhebliche Defizite in Bezug auf Kindesschutz und nachhaltige Entwicklung bei vielen Angeboten erörtert, die in folgender Studie nachgelesen werden können: Vom Freiwilligendienst zum Voluntourismus.

Unsere Kritik

Kritik an Voluntourismus

Organisationen wie „Brot für die Welt“ warnen ausdrücklich vor Kurzzeit-Einsätzen in sozialen Einrichtungen. Wir müssen uns fragen mit welchem Selbstverständnis wir hier agieren und wem mit diesen Aufenthalten geholfen ist. Würden wir in Deutschland alle drei Wochen einen neuen Praktikanten in ein Waisenhaus schicken oder unseren Kindern neue Lehrkräfte in der Schule vorsetzen?

Kinder haben überall auf der Welt die gleichen Rechte und es ist unsere Verantwortung der Achtung der Kinderrechte nachzukommen, und diese zu fördern. Als nachhaltiges Unternehmen setzen wir uns für den Schutz von Kindern in unseren Destinationen ein und lehnen die Ausbeutung von Kindern in jeder Hinsicht ab. Ein Reiseveranstalter, der Kinder für Werbezwecke nutzt und seine Produkte unter dem Motto "Hilf den armen Waisenkindern in Afrika" vermarktet, kommt seiner Verantwortung der Achtung von Kinderrechten nicht nach. Unserer Meinung nach, dürfen Kinder nicht als Reisehighlights in touristische Angebote eingebaut werden.

Unsere Kritikpunkte kurz zusammengefasst:
In den Projekten vor Ort kommen nur wenige Euro des Programmpreises an, meist nur 1/4 des Reisepreises.
Freiwillige werden ohne pädagogische Kenntnisse oder ein Führungszeugnis in sozialen Einrichtungen wie Waisenheimen, Schulen oder bei der Arbeit mit Straßenkindern eingesetzt.
Kinder werden als Werbemittel für touristische Produkte missbraucht.
Die Freiwilligen verfügen in den meisten Fällen über mangelnde Sprachkenntnisse und werden dennoch als Lehrkräfte in Schulen eingesetzt.
In der Regel benötigen diese unvorbereiteten gutwilligen Helfer mehr Betreuung als sie selber leisten können.
Lokale Arbeitskräfte werden durch die kostenfreie Besetzung der Stellen durch Voluntouristen entlassen. 
Voluntourismus wird häufig als "Sozialvoyeurismus" oder "koloniale Spielwiese für Wohlstandskinder" bezeichnet. Bei Angeboten wie "zwei Wochen im Waisenhaus aushelfen", stehen selten die Interessen und Bedürfnisse der Waisenkinder im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, dass die Freiwilligen sich ihren Lebenslauf verschönern wollen. Ehrenamt und Auslandserfahrung machen sich gut im Lebenslauf. Abschließend soll noch gesagt werden, dass derartige Aufenthalte auch auf Seiten der Freiwilligen oft mit Frustration und emotionaler Überforderung enden.

Durch eine klare Abwendung vom Hilfsgedanken, hin zu interkulturellem Lernen bieten wir mit unserem Campus Entwicklungspolitik eine gute Alternative zu Voluntourismus an.

Weitere Links

Linksammlung und kritische Artikel zu Voluntourismus



Kurzzeitfreiwilligeneinsätze - ein Trend, dem wir sehr kritisch gegenüberstehen und zum Glück sind wir damit nicht allein. Hier haben wir eine Linksammlung mit kritischen Artikeln für euch zum Thema Voluntourismus zusammengestellt:

Matador Netzwerk, 6. Juli 2016 von Sian Ferguson:

Dear Volunteers in Africa: Please don't come help until you've asked yourself these four questions

Flocblog, 12. Juni 2016 von Florian Blümm

Hilfe oder Voluntourismus – Wie sinnvoll ist Freiwilligenarbeit?

Almost the Doctor's Channel, 15. Dezember 2015 von Michelle Lynn Stayton

7 Reasons why your two week trip to Haiti doesn't matter: calling bull on "Service Trips"

Die Welt, 08. September 2015

Warum der Voluntourismus auch Schattenseiten hat.

 

Weiterführende Informationen zu Voluntourismus gibt es hier:

Tourism Watch / Brot für die Welt

Fairunterwegs

Panorama